Die Wette
In meiner Weiterbildung hat uns ein Dozent eine Wette angeboten.
Schreib Deiner Belegschaft, dass die Parkplätze ab morgen nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, parkt zuerst“ vergeben werden. Für alle, die Chefetage eingeschlossen.
Er sagt, er hat diese Wette noch nie verloren. Spätestens zwei Stunden später steht jemand in der Tür und will reden.
Er macht das bei Kunden, die ihm erklären, sie hätten kein Problem mit digitaler Veränderung. Danach braucht er keine Folie mehr. Die Pointe sagt sich von selbst:
Wir haben kein Problem mit Digitalem. Wir haben ein Problem mit Veränderung.
Was da eigentlich passiert
Der Parkplatz hat mit Technik nichts zu tun. Trotzdem läuft dieselbe Mechanik los wie bei jedem neuen Programm. Drei Fragen tauchen auf, und keine davon wird laut gestellt:
- Was verliere ich? Den Platz direkt vor der Tür, den ich seit zwölf Jahren habe.
- Warum hat mich keiner gefragt? Entschieden wurde oben, erfahren habe ich es per Aushang.
- Was sagt das über mich? Wer früher kommt, gewinnt. Und ich bringe morgens die Kinder zur Schule.
Genau diese drei Fragen stellen sich bei KI auch. Nur sind sie dort schwerer zu erkennen, weil sie sich als Technikkritik verkleiden.
Wie das bei KI klingt
„Das Programm macht doch nur Fehler.“ Manchmal stimmt das. Manchmal heißt es: Ich weiß nicht, ob ich das bedienen kann, und ich will mich nicht blamieren.
„Das haben wir immer so gemacht.“ Der Satz hat einen schlechten Ruf. Meistens bedeutet er aber: Ich kann das gut, und ich weiß nicht, was danach aus mir wird.
„Dafür haben wir keine Zeit.“ Oft stimmt das sogar. Wer neben dem Tagesgeschäft ein neues Werkzeug lernen soll, braucht dafür Zeit, die ihm jemand gibt.
Wer diese Sätze als Widerstand abtut, verliert die Leute. Wer sie als Frage hört, hat die Einführung zur Hälfte geschafft.
Was daraus für Deine KI-Einführung folgt
Die Technik ist meistens der kleinere Teil. Ein KI-Werkzeug ist in einer Stunde eingerichtet. Damit es benutzt wird, brauchst Du die Leute, die damit arbeiten sollen.
Drei Dinge helfen, gerade in kleinen Betrieben:
- Erst fragen, dann einführen. Was nervt Euch im Alltag am meisten? Die Antwort ist oft ein besserer Startpunkt als das Werkzeug, das Du im Kopf hattest.
- Sagen, was bleibt. Niemand verliert seinen Job an ein Programm, das Angebote vorformuliert. Wenn das so ist, sag es laut. Wenn es nicht so ist, sag das auch.
- Klein anfangen, mit Freiwilligen. Eine Person, eine Aufgabe, vier Wochen. Wenn es klappt, erzählt sie es den anderen. Das wirkt mehr als jede Schulung.
Der nächste Handgriff
Bevor Du das nächste KI-Werkzeug einführst, mach den Parkplatz-Test im Kopf: Wer verliert durch die Neuerung etwas, das er hatte? Wer wird nicht gefragt? Wessen Können wird plötzlich weniger wert?
Wenn Dir zu jeder Frage ein Name einfällt, weißt Du, mit wem Du zuerst reden solltest. Und zwar bevor Du das Werkzeug kaufst, nicht danach.
Wenn Du diese Gespräche nicht allein führen willst oder Deine KI-Einführung von Anfang an mit den Leuten planen möchtest, begleite ich Dich dabei. Schreib mir einfach.